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Teamarbeit an der Schule

 12. Jan 2011
Lena Florian  
 

Lange habe ich nichts von mir hören lassen, deshalb melde ich mich heute mal wieder mit einem Thema, das uns allen in der heutigen Gesellschaft am Herzen liegen sollte. Teamarbeit. Überall wird sie gefordert, aber nur selten tatsächlich geleistet. Besonders in der Schule scheint jeder eher dem Einzelkämpfer-Syndrom verfallen zu sein. Lehrer. Schüler. Hausmeister. Schulleiter. Putzfrau. Keiner fühlt sich selbst als Mitglied einer zusammenarbeitenden Gemeinschaft. Damit will ich nicht sagen, dass sie nicht ein gewisses Gemeinschaftsgefühl haben, aber das war wohl sogar in der römischen familia stärker. (Das ist leider eher ein hinkender Vergleich, weil die familia ja von der Zusammenarbeit lebte.) Uns allen ist klar, dass im deutschen Schulwesen eher nach dem top-down-Prinzip gearbeitet wird: Der Schulrat verbietet dem Schulleiter, eine Banane zu essen, der verbietet es den Lehrern, die verbieten es ihren Klassen, und die einzelnen SuS verbieten es dann den Affen im Zoo. Dass das auch anders funktionieren kann, will ich jetzt in einer Schulutopie zeigen.

Wir beginnen unten in der “Hierarchie”. Die SuS werden in Stammgruppen zu je 6 Personen eingeteilt, bzw. werden diese zu Beginn gefunden. Die Gruppen bestehen je aus 3 Mädchen und 3 Jungen, die jeder für sich in verschieden Fächern Stärken haben. Der eine ist gut in Englisch, die andere gut in Mathe und so weiter. Warum sollten aber SuS in Teams arbeiten, wenn sie sehen, dass LehrerInnen einsame Wölfe sind? Ich sage nur: Vorbildfunktion!

Also werden die LehrerInnen in Jahrgangsteams eingeteilt, bzw. finden sich selbst. In diesen Teams kümmern sie sich von der 5. bis zur 10. Klasse (ggf. auch noch länger) um eine Jahrgangsstufe, indem sie den Hauptteil ihrer Stunden in dieser verbringen. Sie bilden Paare, die wiederum einzelne Klassen betreuen. Das Wichtigste sind nun die Teamtreffen! Jede Woche.

Dreimal im Halbjahr treffen sich die SuS einer Stammgruppe mit LehrerInnen und Eltern. So werden auch Letztere ins Boot geholt. Um diesen Treffen einen Sinn zu geben, brauchen die Teams Entscheidungsgewalt: Sie machen die Stundenpläne, bestimmen Vertretungen und Pausenaufsichten. Jeder kann nachvollziehen, was er zu einer bestimmten Zeit aus welchem Grund tun muss. Folge davon ist mit Sicherheit eine angenehme Atmosphäre und eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern zur Förderung ihres Kindes.

Natürlich darf die Teamarbeit nicht bei den LehrerInnen aufhören. Die Schulleitung bildet ein weiteres Team. Ebenfalls mit Treffen und natürlich Entscheidungsgewalt (aber das ist ja klar). Mensa. Hausmeister. SekretärInnen. Auch Teams. Damit wir nun nicht viele verschiedene kleine Schulen haben, gibt es natürlich auch übergreifende Institutionen, wie die Fachbereiche, Fachgruppen usw. Das Ganze kann man jetzt natürlich noch ausfeilen. Hier als Beispiel: Die Raumgestaltung. Ich stelle mir hier einen großen “Teamraum” vor mit Gruppentischen, einer Sitzecke mit Couch, einer Computer- und Hightech-Ecke, den Wünschen sind “nur” die Grenzen des Geldes gesetzt. Von diesem Raum gehen weitere für die einzelnen Klassen ab. Einer, am besten nur mit Glas abgetrennt, ist für das Lehrer-Team. So kann sich tatsächlich eine zusammenarbeitende Gemeinschaft bilden und bestehen. Durch: Kommunikation. Transparenz. Und. (Eigen-)Verantwortung.

Das Beste an dem Ganzen ist: Es gibt eine Schule, die das genau so umgesetzt hat! Die IGS-Göttingen-Geismar (Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule), unter der Leitung von Herrn Vogelsaenger. Da ich bestimmt einige Aspekte vergessen habe, fragt! Denn ich bin glücklicherweise in den Genuss einer Vorstellung dieses Teammodells von Herrn Vogelsaenger gekommen und würde mich freuen, diese neugewonnenen Kenntnisse zu teilen. Für kritische Äußerungen hab ich natürlich auch ein offenes Ohr.

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Kommentare

  1. Serpil says:

    Netter Blog, gefaellt mir sehr.

  2. Ist zwar nicht mein persönliches Fachgebiet, aber als Vater einer 11-jährigen Tochter bin ich zumindest Betroffener, was mich zum Mitdiskutieren vielleicht nicht befähigt, aber zumindest berechtigt ;-)

    Ja, Teamarbeit ist wichtig im späteren beruflichen Leben. Teams sind allerdings selten Selbstgänger, schon gar nicht in einer bewusst unterschiedlichen Besetzung. Da ist schon auch Gemeinsamkeit gefragt, damit es funktioniert. Entscheidend erscheint mir auch der Hinweis auf eine gemeinsame Zielsetzung und die gemeinsame Verantwortung, dieses zu erreichen, sonst klappt es nicht, bzw. der alte Satz von „TEAM = Toll, Ein Anderer Machts“ gewinnt an Wahrheit.

    Neben der Teamarbeit würde ich mir in Schulen auch mehr Präsentation vor der Klasse und die bewusste Übernahme von (Teil)Verantwortung wünschen.

    Aber das kann sich mit Teamarbeit durchaus ergänzen, wenn z.B. der Unterricht zu einem bestimmten Thema von einer Gruppe von Schülern nicht nur vorbereitet wird sondern dann auch (gerne unter Aufsicht der Lehrer) moderiert, bzw. durchgeführt wird.

    1. Lena Florian says:

      Natürlich geht die Teamarbeit mit einer Präsentation von Inhalten durch SuS einher! Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu.Teamarbeit muss gut umgesetzt werden, ich als Lehrerin muss genau darauf achten, dass die Gruppen funktionieren, damit es eben nicht zu der von Ihnen genannten Deutung von Teamarbeit kommt.
      Es ist schön, dass auch Eltern die Notwendigkeit von Teamarbeit erkennen. Vielen Dank für Ihren Beitrag!

  3. Alejandro says:

    Ich bin auf dein Blog wegen Pluto gestoßen, und dannach habe ich es gemocht. Ich finde auch Latein höchst interessant. Ich werde noch dein Blog in der Zukunft lesen!

    Alejandro ;)