Notifications per Mail.
15. Dec 2011Simon Nickel
Lange keinen Webmaster Friday mehr mitgemacht. Wird mal wieder Zeit! Auch wenn sich das aktuelle Thema “Wer nutzt noch Emails – und wie?” sich nicht direkt nach einem Kracher anhört, lässt es sich aber mit ein wenig Interpretationsfreiraum doch interessant gestalten, zumindest für mich ;)
Wozu eigentlich noch Mail?
Im Internet wird immer mehr kommuniziert. Ob in Blogs, Foren oder in Sozialen Netzwerken wie Twitter, Facbook oder Google+, überall hat man die Möglichkeit, mit anderen zu kommunizieren – und zwar entweder öffentlich oder direkt. Da möchte man doch annehmen, das man kaum noch Emails bekommt, oder?
Doch! In der Uni z.B. läuft der Großteil der Kommunikation über Mail. Ich denke das sieht im Rest der nicht privaten Kommunikation nicht anders aus. Mail ist Standard, Mail hat jeder. Selbst um “die Konkurrenz” zu nutzen benötigt man einen Mail Account.
Ich nutze Mail von Google, da es einfach funktioniert, viel Speicher bietet, ihr Label-Sortier-Konzept besser funktioniert als Ordner und der Spam-Filter unschlagbar ist. Außerdem ist der Account über POP/IMAP/SMTP erreichbar, also mit jedem beliebigen Client nutzbar. Auf dem iPhone lässt er sich mit der iOS-Mail-App nutzen und auf dem Mac nutze ich Sparrow. Das gibt es entweder für ohne Geld aber mit Werbung oder für 10€ im AppStore, wird regelmäßig weiterentwickelt, sieht gut aus und ist der einzige mir bekannte Mac Client der Googles Label-System sinnvoll unterstützt.
Was ist Mail sonst noch so?
Soweit zum langweiligen Teil des Themas ;) Das spannende an Mail ist die weite Verbreitung, jeder der das Internet benutzen will hat es und muss es nutzen. Sei es nur aus dem Grund um sich bei Facebook anzumelden. Bei Facebook identifiziert man sich also mit seiner Mail Adresse (und Passwort). Nach außen hingegen ist, wie auch in der nichtdigitalen Welt, der in Facebook eingetragene Name das entscheidende Identifikationsmerkmal.
Die Identität ist ein ziemlich interessantes Thema, vorallem im Internet z.B. durch den elektronischen Personalausweis. Aber auch Facebook versucht die Authentifizierung einer Person durch das Profil zu ermöglichen, z.B. indem man sich mit Facebook Connect irgendwo einloggt. Google versucht etwas ähnliches mit ihren Profilen und mit Twitter geht das auch bei einigen Diensten.
Da sieht man auch schon die Schwierigkeit: Im Internet existiert man nicht aus einer Identität, sondern aus vielen. Ob das jetzt wirklich ein Problem ist oder nicht, ist eine andere Frage. Das Interessante ist auf jeden Fall, dass meistens die Mail Adresse die Schnittmenge dieser Identitäten bildet und sogar das Identitätskriterium für diese Dienste ist.
Notifications
Eine weitere Aufgabe von Mail empfinden viele als besonders nervig. Die Mailadresse ist sogar die entscheidende Kommunikationsschnittstelle zwischen Diensten wie Facebook und dem Nutzer. Das schlägt sich meistens in riesigen Mengen an Notification-Spam wieder.
Eine Notification-Mail wird meist als nervig angesehen und – wenn möglich – abgestellt. Das ist schade, aber verständlich. Sie wird nämlich leider falsch eingesetzt. Ich versuche mal am Beispiel von Twitter kurz zu erklären was an der Reply-Notification-Mail falsch läuft und wie sie eigentlich aussehen sollte:
Es gibt drei Fälle:
- Ich bin in Twitter eingeloggt.
- Ich bin nicht eingeloggt habe aber die Twitter App auf dem Smartphone oder Rechner.
- Ich bin nicht eingeloggt und habe auch sonst kein Twitter-Client.
Aktuell sieht das in allen drei Fällen gleich aus. Ich sehe die Notification in meinem Twitter-Client/Webseite und bekomme eine Mail. Ich gucke also auf meinem Smartphone in die Twitter App und muss dann noch die Mail löschen. Das nervt und ich stelle die Notifications ab. Nutze ich keinen Twitter-Client und bin nicht eingeloggt freue ich mich über die Mail und guck mir die Nachricht an. Sollte ich aber eingeloggt sein, habe ich die Nachricht schon gesehen wenn die Mail ankommt und ärgere mich über diesen Überfluss.
Optimalerweise würde das folgendermaßen funktionieren: Wird eine Notification ausgelöst wird mir diese auf der Webseite oder der App angezeigt. Bin ich eingeloggt kann ich sie mir direkt angucken, Twitter weiß, dass ich sie gelesen habe und muss mir keine Mail schicken. Bin ich nicht eingeloggt aber nutze Twitter auf meinem Smartphone, bekomme ich sie per Push darauf angezeigt. Sollte ich sie dann lesen weiß die Twitter App das und braucht mir auch keine Mail mehr zu schicken. Bin ich nicht eingeloggt und habe ich keine Twitter App, bekomme ich eine Mail und freue mich über die Information.
Alles schön und gut soweit. Fehlt nur noch ein kleines Problem: Was ist wenn ich eingeloggt bin, aber nicht an meinem Rechner und keine App habe? Dann bekomme ich die Notification auf der Webseite angezeigt, sehe sie nicht und ärgere mir, dass ich nicht darüber informiert wurde. Das ist aber auch einfach zu umgehen. Das ist nur eine Frage des Timings: Gucke ich sie mir nicht innerhalb von 10 Minuten (oder so) auf der Webseite an, weiß Twitter, dass ich das nicht mitbekommen habe und kann mir eine Mail schicken. Ich freu mich, dass Twitter mich darauf aufmerksam gemacht hat und bin glücklich.
Fazit
Was ich damit eigentlich sagen will ist: Mail ist der perfekte Backup-Kommunikationskanal. Schlägt die Kommunikation über andere Systeme fehl, kann die Mail als Notlösung dienen. Das muss nur richtig genutzt werden.
Hier schließt sich auch wieder der Bogen zur Identität. Wenn die Mail Adresse zum Einloggen in Dienste und zur Kommunikation mit diesen Diensten benutzt wird, dann lässt sich unsere digitale Identität auch eher durch diese Mail Adresse definieren als durch einen Identitätsdienst.
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