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Apfel, Löwe, Luft.

 29. Oct 2010
Simon Nickel  
 

Eigentlich wollte ich schon zur letzten Apple Keynote meinen Senf dazu geben. Da ging es um iPods. War nicht so interessant. Habs dann auch nicht getan. Gestern war wieder eine solche Steve Jobs Show, ging diesmal glücklicherweise nicht um iPods.

Die Veranstaltung war mit dem Titel “Back to the Mac” angekündigt, die Werbung ließ auf eine neue OS X Version mit dem Namen “Lion” schließen. Die Gerüchte sagten es wird iLife 11 und ein neues Macbook Air vorgestellt. So kam es dann auch, iLife ist halt ein wenig Software die ich nicht brauch und das Air ist genau so wie man es sich gewünscht hat. Punkt. Hm, das ging jetzt zu schnell, nochmal zurück zum Start.

Vor dem Event hab ich gesagt, man könnt echt viel mit iOS in OS X machen, aber die vergeigen das bestimmt. In der Annahme es gibt nur Apple und an ihrer Geschäftspolitik ist nicht zu rütteln, stelle ich mir ein “perfektes” System in etwa so vor:
Hardware: Das iPad ist echt ein schickes Gerät, für das Sofa angenehm, für unterwegs ziemlich schick. Zu Hause hab ich einen großen Monitor, eine fantastische Tastatur und das Magic Trackpad (wer das nicht mag stellt sich hier eine Maus vor). Mein Macbook kann ich da anschließen, das iPad nicht.
Logische Schlussfolgerung: MacPad oder so. Also Form eines iPads mit Anschlussmöglichkeiten und natürlich Leistung eines Macbooks (oder noch mehr). Zu Hause schließ ich es an meine Geräte an und kann arbeiten, wie ich das gewohnt bin. Will ich mich damit aufs Sofa setzen hab ich ein perfektes Surfbrett und Spielekonsole.

Entscheidender ist jedoch das Betriebssystem. Wer das iPad schonmal in der Hand hatte und nicht zumindest mittelmäßig begeistert ist muss gar nicht weiter lesen. Ich finde die Bedienung macht größtenteils einfach Spaß, das liegt natürlich an der Touchoberfläche, aber auch am einheitlichen Interface, innovativen Bedienkonzepten und einfach gehaltenen Apps. Ein normales Desktop-Programm mit einem iPad zu bedienen, würde nicht viel Sinn machen. Das kann man an den wenigen Windows Tablets sehen. Ein Touchgerät benötigt ein anderes Interface, bietet zum einen mehr Möglichkeiten, schränkt andererseits aber auch ein (Beispiel: Tastatur). Aber was macht man nun mit einem Gerät, das beides können soll? Eine Möglichkeit wäre für jedes Programm zwei Oberflächen anzubieten, ist nicht nur mehr Aufwand für die Programmierer, sondern auch für den Nutzer verwirrend. Eine andere Möglichkeit wäre es die Desktop-Programme touchfähiger zu gestalten, in vielen Fällen würde das jedoch eine Einschränkung der Möglichkeiten bedeuten. Für einige Programme ist das bestimmt kein Problem, aber aufwändigere Programme, die Präzision und Produktivität erfordern, würden damit bestimmt nicht glücklich werden.

Wie das genau aussehen könnte, ist mir also noch unklar, die letzten Neuerungen bei Apple zeigen zumindest Ansätze, wie das aussehen könnte. Mit dem Magic Trackpad (die Magic Mouse erwähne ich mal nur am Rande) haben sie einen großen Schritt in Richtung Gestensteuerung gemacht, ein wichtiges Konzept der iDevices. Ein stark hervorgehobenes “Feature” von OS X Lion sind Fullscreen-Programme, ich weiß zwar nicht was daran revolutionär sein soll, aber dennoch ein Konzept, das man von den Apps für iPad und iPhone kennt. Auch das Interface einiger iLife Programme hat Bedienelemente aus iOS übernommen. Apple könnte also über den Zwischenschritt Gestensteuerung versuchen OS X komplett touchfähig zu machen. Auch andere Elemente von iOS sollen integriert werden, wie der Appstore und das Launchpad, eine größere Variante des Homescreens.

Wichtig ist aber auch der Entscheidende Unterschied zwischen OS X und iOS: Die Offenheit. Ein Geschlossenes System, ohne globale Dateiverwaltung, ohne echtes Multitasking, ohne Installationsfreiheit ist auf einem Telefon mit schwacher Hardware ein Übel, das man in Kauf nimmt. Auf einem Computer jedoch nichts, wofür ich Geld ausgeben würde. Mit der Ankündigung des Appstore für OS X geht Apple leider einen Schritt in diese Richtung. Aus finanzieller Sicht auch nachvollziehbar, das Konzept funktioniert bei iOS schließlich hervorragend. Die Nachteile hat sich Enno Park auf yuccatree.de ganz gut zusammengetragen.

Nach der Keynote bin ich nicht ganz sicher ob ich zufrieden bin oder die Entwicklung eher kritisch beäugen soll, von meinen Erwartungen her ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung getan, gleichzeitig aber auch ein Schritt in die falsche.

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  2. [...] Auswahl an weiterführenden Artikeln oder auch anderen Sichtweisen zu liefern (Bsp: Die Links zum Artikel zur Keynote von Apple würden dann so aussehen.) In anderen Fällen finde ich es sinnvoller auf den Inhalt eines [...]

  3. [...] wie einen herkömmlichen PC zu nutzen steigen. Versucht zu klären wie das laufen könnte hab ich schonmal. Die Konkurrenz ist jetzt gefragt mit neuen Konzepten Druck auf Apple auszuüben. Auch auf Desktop- [...]

  4. [...] einer Verschmelzung von OS X und iOS hab ich schonmal was geschrieben, das sieht aber nicht so aus als wäre das in naher Zukunft möglich. Also bleibt noch Windows 7 [...]

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